Brauchtum

Brauchtum pflegen heisst im Engadin nicht, alte Zöpfe mühsam am Leben erhalten, sondern geliebte Traditionen fortführen – und andere daran teilhaben lassen. Auch sei es "nur" kulinarisch wie beim Wildessen zur Jagdsaison im Herbst.

 

Schlitteda: das Fest der Jugend
Jeweils im Januar oder Februar ist es so weit: Mit der Schlitteda Engiadinaisa steht der gesellschaftliche Höhepunkt des Engadiner Winters vor der Tür. Was früher ausschliesslich den Ledigen vorbehalten war, hat sich im Laufe der Jahre zu einem Dorffest gewandelt, an dem sowohl Einheimische als auch Gäste ihre helle Freude haben. Was für ein herrlicher Anblick, wenn die "Giuventüna" – die Dorfjugend – auf reich geschmückten Pferdeschlitten von Dorf zu Dorf fährt! Der glänzend weisse Schnee bildet dabei einen reizvollen Kontrast zu den farbenfrohen Trachten. Am Abend folgt der Schlitteda-Ball, bei dem Alt und Jung gemeinsam diesen schönen Winterbrauch ausklingen lassen.

Schlitteda im Engadin.
Schlitteda im Engadin.

Chalandamarz: wie zu Schellenurslis Zeiten
Auf diesen Tag freuen sich die Oberengadiner Kinder das ganze Jahr: Am 1. März ist Chalandamarz, das Fest der Wintervertreibung. In leuchtend blauen Kutten und in die traditionelle rotschwarze Engadiner Tracht gehüllt, ziehen Knaben und Mädchen von Haus zu Haus, singen althergebrachte Lieder und bitten um eine Gabe für den am Abend stattfindenden Chalandamarz-Ball. Beim Umzug dürfen natürlich auch die grossen Kuhglocken – die Plumpas – nicht fehlen, mit denen die Kinder in bester Schellenursli-Manier die Wintergeister vertreiben. Schöner kann der Frühling kaum beginnen!

 

Jagd: ganz wild auf den Herbst
5000 Jägerinnen und Jäger sorgen jeweils ab September dafür, dass das Wild im Engadin nicht Überhand nimmt. Traditioneller Abschluss dieser besonderen Zeit ist die Hubertusfeier, an welcher dem Schutzheiligen der Jäger für die gelungene Jagdsaison gedankt wird. Sie findet Mitte Oktober in der katholischen Kirche St. Karl in St. Moritz Bad statt. Nicht-Jäger ziehen vermutlich die kulinarische Wildsaison vor und geniessen derweil Rehrücken und Hirschpfeffer in einem der zahlreichen Restaurants, die im Herbst traditionellerweise Wildspezialitäten auf der Speisekarte haben.

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