St. Moritz und seine Architektur

Extravaganz der Kulturgeschichte

Die Architektursilhouette von St. Moritz ist vielseitig, gegensätzlich, aussergewöhnlich - und oft unterschätzt. 

Mächtige Steinmauern, kleine, trichterförmige Fenster und charakteristische Sgraffiti rundherum: Engadinerhäuser bestimmen seit Jahrhunderten das Ortsbild von Oberengadiner Dörfern wie Zuoz, Samedan oder La Punt. In St. Moritz ist der typische Engadiner Architekturstil nicht so oft anzutreffen. Die Skyline der Alpenmetropole ist schon fast ein urbaner Gegenpol dazu. Die Natur, die sie umgibt - und da sind sich alle einig - ist eine grandiose Kulisse.

Den Architekturstil selbst mag man, oder nicht. Fest steht: Er lässt niemanden kalt. St. Moritz ist nun mal kein liebliches Chalet-Dorf oder ein perfektes Engadinerdorf. Es ist ein Schmelztiegel verschiedener Architekturstile, der oft zu unrecht unterschätzt wird. Die Mischung aus Tradition und Fortschritt, Zeitgeist und Nostalgie ist in jeder Gasse und an jeder Ecke spürbar. Sie macht St. Moritz so einzigartig. Und deshalb empfehlen wir allen Architekturbegeisterten einen Spaziergang durch St. Moritz. Hier haben wir einige Highlights aufgelistet, die am besten in dieser Reihenfolge mit Start in St. Moritz Bad besichtigt werden. 

Chesa Futura
Die Chesa Futura wurde vom bekannten britischen Architekten Lord Norman Foster erbaut und vereint futuristische Bauformen und traditionelle Baustoffe.

Den Anfang macht dabei das frisch restaurierte Forum Paracelsus. Darin wird die Geschichte der St. Moritzer Heilquellen anhand von Hörstationen und Touchscreens vermittelt. Im Herzstück des Museums kann die aus der Bronzezeit stammende Mauritius-Quellfassung besichtigt werden, die 1853 entdeckt worden ist. In den darauffolgenden Jahren eröffnete das Neue Kurhaus, das heutige Kempinski Grand Hotel des Bains, seine Tore. 1874 kam das Hotel Reine Victoria hinzu - gebaut im Palazzo-Stil und nicht gerade typisch für das Engadin. Aber das Publikum war schon damals international, entsprechend waren dessen Wünsche. Quasi gegenüber befindet sich das 2014 eröffnete OVAVERVA Hallenbad, Spa & Sportzentrum St. Moritz. Der imposante Bau ist zum neuen Wahrzeichen von St. Moritz geworden und könnte wohl ebenso in Barcelona oder Paris stehen. 

Schiefer Turm
Der schiefe Turm von St. Moritz ist ein Wahrzeichen aus dem 12. Jahrhundert. Er ist rund ein Grad schiefer als das wesentlich bekanntere Pendant in Pisa.

Spazieren wir um den St. Moritzersee herum bis zum Oscar-Niemeyer-Haus. Das Haus ist in der Schweiz das einzige Gebäude des berühmten brasilianischen Architekten, der als Wegbereiter der modernen brasilianischen Architektur gilt. Weiter dem Seeufer entlang bis zum Parkhaus Serletta. Die Parkhaus-Plattform, die über den See ragt, ist ein weiterer urbaner Akzent in der Architektursilhouette von St. Moritz. Der langen Rolltreppe entlang geht's zum Badrutt's Palace Hotel, das mit seinem markanten Bau schon seit jeher die St. Moritz Skyline prägt. Auf der Via Serlas finden wir weitere architektonisch wertvolle Gebäude - allen voran Norman Fosters Murezzan-Komplex. Vor der bekannten Konditorei Hanselmann erhaschen wir einen Blick auf das wahre St. Moritzer Meisterwerk des britischen Architekten: die Chesa Futura. In die Fassade des UFO-ähnlichen Gebäudes sind ca. 250'000 Schindeln aus Lärchenholz verarbeitet worden. Ein krasser Gegensatz dazu bildet die Chesa Veglia, ein altes Engadiner Bauernhaus aus dem Jahre 1658, das heute als Restaurant fungiert.   

Wenige Meter davon entfernt befindet sich das Kulm Hotel - das erste St. Moritzer Hotel überhaupt, indem 1864 nichts weniger als die Winterferien erfunden worden sind. Gleich gegenüber der schiefe Turm, Wahrzeichen aus dem 12. Jahrhundert und Teil der 1890 abgebrochenen St. Mauritius-Kirche. Bis heute ist er mit seiner Neigung von 5.5 Grad eine der spektakulärsten Sehenswürdigkeiten von St. Moritz. Das unweit entfernte Cresta Run Club House erinnert viel mehr an Steve McQueens 70iger-Jahre-Rennporsche als an ein typisches Engadinerhaus. Genau wie das unweit entfernte Olympiastadion der Olympischen Winterspiele 1928 und 1948. Das seit zwei Jahrzehnten nicht mehr genutzte Gebäude hat der Möbeldesigner Rolf Sachs, ein mit St. Moritz eng verbundener Sport- und Kulturfreund, restaurieren lassen und zu seinem Wohnhaus gemacht.

Wer noch weiter spazieren möchte, sollte sich das Segantini Museum anschauen. Der imposante Zentralbau am steilen Hang über dem St. Moritzersee weist nach Osten, zum Schafberg, dem Sterbeort Segantinis. Die Architektur von Nicolaus Hartmann (1880–1956) orientiert sich am monumentalen Pavillon, den der Künstler für die Pariser Weltausstellung (1900) entworfen hatte. Ganz neu hingegen ist die Quattro Bar. Die futuristische Skihütte auf dem St. Moritzer Hausberg Corviglia ist 2014 mit dem international bekannten Design-Award von Red Dot ausgezeichnet worden.