Kandidatur Olympische Spiele 2026: «Wir können alle nur profitieren»

St. Moritz und Olympische Winterspiele, das passt. Das zeigt nicht nur die Geschichte, davon ist auch der St. Moritzer Gemeindepräsident Sigi Asprion überzeugt. Weshalb St. Moritz für eine erneute Kandidatur Graubündens ist, erklärt er im Interview.


Herr Asprion, wie sehr lodert das Olympische Feuer bereits in Ihnen?
Ausserordentlich! Ich bin begeistert von der Idee, nach 1928 und 1948 wieder Olympische Spiele nach St. Moritz zu bringen. Das wäre schlicht fantastisch und würde unsere reiche Historie neu beleben. 

Was versprechen Sie sich ganz konkret von Olympischen Winterspielen 2026 für die Gemeinde St. Moritz?
Die ganze Gemeinde hätte wieder ein grosses Ziel vor Augen, so wie das für die anstehenden Ski-Weltmeisterschaften auch der Fall ist. Man könnte wieder an einem Strick auf dieses Ziel hinarbeiten. Ausserdem würde ich mich auf eine intensive Zusammenarbeit mit anderen Gemeinden und Institutionen in Graubünden freuen – der ganze Kanton würde dadurch näher zusammenrücken. Die riesige Werbewirkung für den Tourismus versteht sich von selbst. Und nicht zuletzt würden wir alle von Investitionen in die Infrastruktur profitieren, vor allem in den öffentlichen Verkehr mit einer besseren Anbindung an Zürich. 


Inwiefern würde denn die einzelne St. Moritzerin, der einzelne St. Moritzer von Bündner Spielen profitieren?
Olympische Winterspiele sind Innovationstreiber und Wirtschaftsturbos in einem. Alle St. Moritzer und Bündner würden davon profitieren. Zum Beispiel durch Investitionen in die touristische Infrastruktur, die zu einem grossen Teil schon besteht und optimiert werden würde. Oder durch einen Arbeitsmarkt, der langfristig anziehen würde. Dann würden sich wie gesagt auch die Ausbauten in den öffentlichen Verkehr und die nähere Anbindung an Zürich positiv auf den Tourismus und die Einwohner auswirken. 


Wäre für Sie als Gemeindepräsident auch St. Moritz als Host City oder zumindest als Teil einer Host-City-Partnerschaft denkbar?
Unbedingt. Es gibt keinen anderen Ort in der Schweiz, der so für Olympische Spiele steht und eine entsprechend glaubwürdige internationale Ausstrahlung hat wie St. Moritz. Das muss man ausnutzen. Der Name der Host City ist vor allem für die Kommunikation wichtig. Wo dann genau was ausgetragen wird, ist ein anderer Punkt. In Sotschi, Vancouver oder Turin war das auch so – viele Wettkämpfe fanden ausserhalb der Host City statt. Diese Orte waren am Anfang eher unbekannt, dank Olympischen Spielen sind sie heute zweifelsohne auf der Landkarte präsent. 


Ein wichtiger Punkt im Bündner Olympiakonzept ist das Thema Nachhaltigkeit. In St. Moritz würden unter anderem die Bob-, Rodel-, Skeleton- und natürlich die Ski-Alpin-Anlässe stattfinden. Die Infrastruktur hierfür besteht grundsätzlich bereits. Wäre St. Moritz demnach schon heute bereit für Olympische Winterspiele?
Ja, wir wären grundsätzlich schon heute bereit für Olympische Winterspiele. Ski-Alpin- und Bob-Wettkämpfe könnten wir ohne grosse Anpassungen durchführen. Das verdanken wir den jährlichen Weltcups, regelmässigen Welt- und Europameisterschaften im Olympia Bobrun St. Moritz-Celerina und auch der anstehenden Ski-WM, die fünfte ihrer Art in St. Moritz. Wenn man den ganzen Kanton betrachtet, haben wir gegenüber anderen Ländern noch Luft nach oben was die Sport-Infrastruktur angeht. 


Die Olympiabefürworter sprechen immer wieder von Chancen und vom nötigen Wirtschaftsschub, den Olympische Spiele auslösen würden. Schaut man in die jüngere Vergangenheit der Olympischen Spiele, ist dieser Schub in den jeweiligen Austragungsorten jedoch oft schnell wieder verpufft. Weshalb soll das ausgerechnet in Graubünden anders sein?
Wir arbeiten hauptsächlich mit bestehenden Infrastrukturen, die bereits im Einsatz stehen. Wir passen diese lediglich an und schaffen nichts Neues, was immer mit einem gewissen Risiko verbunden ist. Von dem her sprechen wir von einer Weiterfinanzierung und nicht von einer Neufinanzierung der Infrastruktur. Das ist enorm wichtig, sonst würden wir riskieren, neue und vielleicht überdimensionierte Infrastrukturen irgendwann nicht mehr halten zu können. Bei uns ist ein Grossteil der Infrastruktur aber bereits im Einsatz – wir wissen, was wir während den Spielen und darüber hinaus tatsächlich brauchen und finanzieren können. So gesehen würden die Spiele mit Sicherheit nachhaltig für uns sein.


Weshalb glauben Sie, würden auch die Bündnerinnen und Bündner von den Spielen profitieren, die nicht unmittelbar in einem der Austragungsorte leben sondern in Randregionen wie zum Beispiel dem Puschlav oder der Val Müstair?
Der Wirtschaftsschub, der durch die Olympischen Spiele in den beteiligten Gemeinden ausgelöst werden würde, würde sich auch auf die übrigen Gemeinden des Kantons auswirken. Auch sie würden von einer gestärkten Wirtschaft und von verbesserten Infrastrukturen profieren. Ein Beispiel: Wenn Sie dank Olympischen Spielen und besserer Anbindung mit dem ÖV eine Stunde weniger lang ins Engadin brauchen, rücken automatisch auch das Puschlav oder das Val Müstair näher an Zürich. Ausserdem können sich alle Regionen Graubündens in die Spiele einbringen und sich dort präsentieren. Wir können alle nur profitieren.


Wie nehmen Sie die aktuelle Stimmung in Ihrer Gemeinde wahr? Haben Sie das Gefühl, dass bei den St. Moritzern das Olympische Feuer bereist auch schon ein wenig brennt oder ist davon noch nichts zu spüren?
Grundsätzlich lodert in unserer Gemeinde das Olympische Feuer immer. Die Spiele sind Teil unserer Geschichte und wir sind stolz darauf. Hinsichtlich der neuen Kandidatur brennt das Feuer im Moment vor allem in den touristischen und politischen Gremien, die die Sache vorantreiben. Sobald der Bewerbungskredit gutgeheissen worden ist und das Thema konkret wird, wird die Begeisterung auf die Bevölkerung überschwappen, da bin ich mir sicher.  


www.jazuolympia.ch

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