Cresta Run St. Moritz

Helden des Eiskanals

Mit 140 Sachen kopfvoran den Eiskanal hinabdonnern und dabei die Nase nur wenige Zentimeter über dem Eis halten. Diese Extraportion Adrenalin gibt's nur in St. Moritz beim legendären Cresta Run. 

Mutige Männer in Ganzkörperanzügen auf einem besseren Bügelbrett mit Griffen verwandeln sich hier zu menschlichen Torpedos. Die Rede ist vom Cresta in St. Moritz – eine Sportart, die als Vorläufer vom Skeleton gilt und bereits seit 1884 in der Eisrinne zwischen St. Moritz und Celerina praktiziert wird.

Manövrieren bei Temporausch

Das Ganze sieht so verrückt aus wie es klingt: Wie Kaulquappen liegen die Athleten auf dem Schlitten. Das dicke Ende ist der Integralhelm und hinten wackeln die Beine des Fahrers, die zappelnd versuchen, der Fahrt eine Richtung zu geben. Gutes Manövrieren ist wichtig. Denn anders als bei einer Bobbahn ist das Profil des Cresta Runs ein breites, oben offenes "U". Das heisst: Man kann auch aus der Bahn fliegen, wenn man nicht aufpasst.

Legendärer Shuttlecock trennt Spreu vom Weizen

Beim Cresta Run gibt es zwei Startpunkte: Die volle Streckenlänge startet beim „Top“, die um einen Drittel entschärfte Strecke beim „Junction“. Anfänger dürfen nur bei letzterem Punkt starten. Aus guten Grund: Die Durchschnittsgeschwindigkeit der besten Fahrer beträgt heute - bei stehendem Start - knapp 90 km/h, die Höchstgeschwindigkeit auf dem unteren Teil der Piste hingegen ca. 140 km/h. Von den insgesamt zehn Kurven ist der "Shuttlecock" die berüchtigste. Diese Kurve dient als Sicherheitsventil für zu schnelle, unkontrollierte Schlitten. Die Abflugzone ist mit Strohballen gesichert. Fahrer, die in dieser Zone ihre Flugkünste testen, werden in den „Shuttlecock Club“ aufgenommen – und dürfen fortan offiziell eine rote Krawatte im Cresta Club tragen. Der Brite James Sunley hält übrigens seit 1999 den Streckenrekord - mit 50.09 Sekunden. 

Cresta Run
Gutes Manövrieren ist auf dem Cresta Run wichtig. Denn anders als bei einer Bobbahn kann man hier auch rausfliegen.
Gentlemen only

Das Spiel mit der Gefahr kombiniert mit einem Hauch Abenteuer – das ist es wohl, was das Fahren auf dem Cresta Run so faszinierend macht. Normalerweise eröffnet der Cresta Run kurz vor Weihnachten und schliesst anfang März. Während des Winters finden über dreissig hochkarätige Rennen statt. Dabei geht es "very british" zu und her: Der Speaker hält sich strikte an die englische Sprache und viele Fahrer tragen historische Sportbekleidung. Auch die guten alten britischen Manieren werden grossgeschrieben. Der Cresta Club ist einer der letzten traditionellen Männerclubs. Denn Frauen dürfen nicht starten – ausser am allerletzten Tag der Saison. 

Anfänger willkommen

Der Cresta Club ist zwar privat, aber auch Nicht-Mitglieder sind willkommen, einen "Run" zu absolvieren. Dem Club gehörten ursprünglich fast nur Engländer und Amerikaner an. In den letzten Jahren ist er jedoch offen gestaltet worden und heute stammt ein Teil der Mitglieder aus der Schweiz, Deutschland, Italien, Österreich oder Frankreich. Es ist Ehrensache eines jeden Mitglieds, Anfängern Anleitungen zu geben und sie behutsam in die Welt des Cresta Runs einzuführen – und damit für die nächste Generation von Cresta-Run-Helden zu sorgen.

www.cresta-run.com

Cresta Run
Das Clubhouse der Cresta-Members besticht durch seine eigenwillige Architektur.
The Cresta Run
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